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Bugatti Royale 1929
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Collection Schlumpf: Die größte Bugatti-Sammlung der Welt
Text & Fotos: Myrta Köhler

Im Jahr 1909 mietet Ettore Bugatti im elsässischen Molsheim die leerstehenden Gebäude einer Färberei – hier entstehen die Bugatti-Werke, deren Mythos bis heute lebendig ist. Vielleicht würde Ettore sich darüber freuen, dass die weltweit größte Sammlung von Bugattis nicht weit entfernt parkt: im ebenfalls elsässischen Mulhouse horteten die Brüder Schlumpf jahrzehntelang geheime Schätze.

Fritz und Hans Schlumpf – die Namensgleichheit mit kleinen blauen Waldbewohnern ist reiner Zufall - besaßen seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts das Monopol für gekämmte Garne in Frankreich, ihre Textilfabriken waren wahre Goldgruben. Nach dem Krieg begannen sie, klassische Automobile zu sammeln, eine Halle des Werks in Mulhouse wurde als Garage zweckentfremdet. Über 400 Fahrzeuge erstanden sie im Laufe der Jahre, darunter mehrere Dutzend Bugatti – vor allem Fritz scheute sich nicht, zugunsten seiner Leidenschaft die Unternehmen finanziell zu belasten. Autowracks seltener Modelle fanden ebenfalls den Weg nach Mulhouse – hier wurden sie in akribischer Feinarbeit rekonstruiert. Mehr als vierzig Maler, Sattler, Karosseriebauer und Mechaniker beschäftigten die Brüder zu diesem Zweck: jeder von ihnen war zu strengster Geheimhaltung verpflichtet.

1977 ging das Schlumpf-Imperium bankrott, über 2000 Beschäftigte wurden entlassen. Die Brüder flüchteten ins Schweizer Exil, die ehemaligen Arbeiter stürmten das Werk – und entdeckten die Sammlung kostbarer Automobile. Zwei Jahre lang hielten die Arbeiter die Halle besetzt und öffneten sie erstmals für die Öffentlichkeit; schließlich wurde aus der "Collection Schlumpf" ein nationales Museum. Die Brüder wurden 1988 wegen Veruntreuung, Steuerhinterziehung und Bankrott verurteilt.

Bis heute stehen die Fahrzeuge in derselben Halle wie damals. Doch die meisten davon sind nicht fahrbereit – noch nicht: „Wir richten Stück für Stück her, um sie dann auch bei Veranstaltungen außerhalb der Museumshallen präsentieren zu können“, erklärt Emmanuel Bacquet, Direktor der Sammlung.

In der Werkstatt wird zurzeit an drei Bugattis gearbeitet – Bacquet erläutert die Vorgehensweise: „Als Nationales Museum dürfen wir kein historisches Kulturgut verändern. Im Klartext heißt das: Sitzbezüge werden nicht angerührt, es geht nur um die Rekonstruktion der zum Fahren notwendigen Teile.“ Einige Ersatzteile sind nicht mehr lieferbar – sofern möglich, werden sie dann nachgebaut. Ist ein Vergaser irreparabel beschädigt, wird ein neuer bestellt; ist der gleiche nicht mehr erhältlich, darf ein anderer eingebaut werden – in jedem Fall aber muss das Originalteil aufbewahrt werden. Geld, welches die Sammlung durch die Vermietung der Autos an andere Museen einnimmt, wird wiederum für die Anschaffung neuer Ersatzteile verwendet.

Im Fundus warten weitere Autos auf ihre Reaktivierung. Auf zwei Stockwerken einer Lagerhalle stehen Reihe um Reihe weiß verhüllte Schemen – Bacquet lüftet ein Tuch, und zum Vorschein kommt ein Bugatti 45. Das Besondere? Im Gegensatz zu anderen Bugattis mit acht Zylindern hat dieser Wagen 16 Stück davon – mit seinen 240 PS ist er eigens dafür ausgelegt, Bergrennen zu gewinnen. Grundlage des handgefertigten Motors ist ein Flugzeugmotor, den Ettore Bugatti zur Zeit des Ersten Weltkriegs entworfen hatte. Bacquet schwärmt: „Genau diesen Motor würde ich gerne in meinem Wohnzimmer haben: darüber eine Glasplatte, und fertig ist der Couchtisch!“ Die Chancen sind gering: Während des Produktionszeitraums von 1929-1930 wurden nur zwei Exemplare dieses Wagens gebaut.

Etwa hundert Meter weiter steht in der Haupthalle das absolute Lieblingsauto des Direktors: der Bugatti T55. „Dieses Auto verbindet eine feminine Linie mit einem starken Motor. Ein Sportwagen, mit dem man auch Hügel erklimmen kann – am besten in Begleitung seiner Freundin“, zwinkert Bacquet. „Ein romantisches Auto!“

Die Brüder Schlumpf verstarben Anfang der Neunziger Jahre in der Schweiz, nachdem sie jahrelang vergeblich darum gekämpft hatten, ihre Sammlung zurück zu erhalten. Im April 2009 erschien eine Biographie von Fritz Schlumpf, verfasst von dessen Witwe. In "Pour l'amour de Fritz" schildert die mittlerweile ebenfalls verstorbene Arlette Schlumpf eine andere Version der Geschichte: das Schlumpf-Imperium sei durch Billig-Importe und die Gewerkschaften in den Ruin getrieben worden. Das Buch wird voraussichtlich im Oktober bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

www.collection-schlumpf.com


Bugatti Royale 1929
Fotonachweis: Myrta Köhler






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