Kultobjekt Vespa: Ein Roller, der fliegen kann
Von:
Laila Kühle
Vor 333 Tagen 17 Stunden 33 Minuten
Hollywood, 1953. Audrey Hepburn und Gregory Peck verlieben sich ineinander, unterwegs auf einer Vespa. Nicht in echt, nur im Film, versteht sich. Doch der Erfolg von „Ein Herz und eine Krone“ gibt der Vespa den richtigen Anschub zum Kultobjekt - auch außerhalb Italiens.
Seit den fünfziger Jahren wurde der Roller aus dem Hause Piaggio, der wirklich nach der Wespe benannt wurde, das Transportgefährt Nummer Eins im Land der Leidenschaft und Lebensfreude. Lucia Masut, Direktor für Entwicklung bei der Vespa, erzählt: „Damals gab es in jeder Familie mindestens einen, der eine Vespa hatte.“ Auch das rote Kreuz soll die Zweiräder benutzt haben; war es so doch am besten möglich, durch die kleinen Gassen Italiens zu kurven. Doch die Vespa wurde nicht nur für friedliche Zwecke genutzt. Im Kampf um Indochina benutzten die Franzosen von 1946 bis 1954 den praktischen Roller, um auf dem unebenen Gebiet ihre Munition zu transportieren und abzufeuern.
In all den Jahren hat die Vespa ihre typischen Merkmale nicht verloren. Egal ob Vespa 50 oder das PX-Modell, alle Typen bestehen aus einem geschlossenen Stahlkörper, der extreme Stabilität verleiht, alle haben die besondere Lenkerform. Den Designern ist das eher zum Argen. „Für uns heißt es immer Verbessern ohne zu Verändern. Das ist nicht leicht, weil die Kunden trotzdem einen gewissen Fortschritt verlangen“, so Masut.
Für die Kunden scheint das aber kein Problem zu sein. Rund 75.000 Exemplare gehen jährlich von Laufband und werden weltweit verkauft. Die Vespa wird für ihre Sparsamkeit und die praktische Form geliebt. So konnten früher auch Frauen, die Röcke trugen, zum „Vespisti“ werden, wie die Fahrer genannt werden. Mit rund 2000 Euro liegt der Vorgänger aller Roller im preislichen Mittelfeld. Allein aufwändig restaurierte Roller und Spezial-Anfertigungen sind kostspieliger. Die Ferrari-Vespa, dessen Sitz mit dem gleichen Leder wie Michael Schumachers Schulterpolster ausgestattet ist, hat einen stolzen Preis von 5000 Euro.
Auf Deutschlands breiten Straßen mag der eine oder andere sich mit dem kleinen fahrbaren Untersatz ein wenig verloren vorkommen. Doch wenn der Fahrtwind einem die Haare verwirbelt, ist das italienische Freiheitsgefühl immer noch zum Greifen nah. Um es in den Worten eines Werbespots aus dem Jahre 1949 zu sagen: „Vesparisiert euch!“
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