Freestyle Motorcycle Trials: Die Stadt kennt keine Grenzen
Von:
Kamal Nicholas
Vor 444 Tagen 6 Stunden 13 Minuten

Ab einem gewissen Alter, nämlich der Zeit nach der Pubertät und dem damit verbunden Einstieg ins Erwachsenleben, muss ein Mann plötzlich anfangen, wirklich verantwortungsbewusst zu denken. Das bedeutet aber noch nicht, dass er auf alle Spielsachen verzichten will. Mitte 20 kommen Gedanken wie „Ich müsste nochmal lernen, Skateboard zu fahren“. Und plötzlich tauchen Sportarten wie die Freestyle Motorcycle Trials, auch (Urban-)Trials-X genannt, auf.
Diese Trials haben weniger mit Freestyle Motocross zu tun, auch wenn der Name dies vielleicht impliziert. Hier machen die Fahrer mit ihren Motorrädern keine Kunstsprünge wie Backflips mit dem Motorrad durch die Luft. Das wäre für den jungen, erwachsenen Mann ohne Erfahrung mit Motorrädern auch einfach zu viel. Vorbild sind vielmehr die Motorcycle Trials, bei denen es darum geht, mit einem motorisierten Untersatz einen verzwickten Hindernis-Parcours mit Gegenständen wie Kisten, Rohren, Brettern und Ähnlichem zu bewältigen, ohne dabei abzusteigen oder zu fallen.
Das klingt zunächst und mit ein wenig Übung bewältigbar. Bei der Freestyle-Variante aber wird dieses Konzept in einen urbanen Kontext gestellt. Es geht weniger um Rekordzeiten, sondern um die persönliche Herausforderung, um das Entdecken neuer Plätze und neuer Hindernisse. Keine Regeln, keine Grenzen. Wie beim Skateboarden - genau das Richtige also für einen Mann im zweiten Quartal seines Lebens. Die Stadt wird zum Spielplatz, die PS-starken Sport-Maschinen sind das Spielzeug. Für Kinder ist das Ganze allerdings weniger geeignet. Als Hindernis gilt alles, was in der Stadt befahrbar und irgendwie mit dem Motorrad zugänglich ist: Lange, steile Treppen, Halfpipes, Wände, schmale Übergänge, verlassene Industrieanlagen.
Dafür braucht es natürlich ein besonderes Gefährt. Das leichte Motorrad ist vielleicht nicht das schnellste, dafür aber dank seiner Agilität sehr gut zu kontrollieren. Fahrer wie der Franzose Julien Dupont (
www.dupontandco.org) treiben die Trials-X immer weiter und zeigen, dass so gut wie nichts unmöglich zu befahren ist. Selbst Brückenbögen. Der Reiz an dem Sport ist, dass man Trials-X nach seinem eigenen Ermessen durchführen kann, da es niemanden gibt, der einen bewertet.
Leider grenzen die Trials-X oft auch an die Illegalität, da es keine offiziellen Wettbewerbe gibt. Vielleicht macht das nicht zuletzt auch den Reiz für Jungs, Männer und junge Erwachsene aus.
Foto: Julien Dupont