100 Jahre Maybach: Luxus in der Krise?
Von:
Myrta Köhler
Vor 279 Tagen 7 Stunden 30 Minuten

Prinz Prospero ist gewitzt: Während ringsum alles dahin siecht, zieht er sich mit einer Gästeschar auf sein Schloss zurück, um dort in Sinnesfreuden zu schwelgen, bis das große Sterben vorbei ist. Doch dann kommt es anders, als er dachte...
Was soll man denn nun denken, wenn
Maybach und andere Automobilhersteller ausgerechnet in Krisenzeiten, in Zeiten von Abwrackprämie und sinkenden Absatzzahlen, neue Luxus-Modelle auf den Markt bringen?
In diesem Jahr jährt sich die Gründung der Maybach-Motorenbau GmbH zum 100. Mal. Die
Geschichte der Marke war von Anfang an eng mit jener von Daimler verknüpft. Als Daimler 1882 die Daimler-Motoren-Gesellschaft gründet, ist Wilhelm Maybach (1846-1929) mit dabei – gemeinsam entwickeln sie den ersten schnell laufenden Verbrennungsmotor. 1900 baut Maybach seinen revolutionären Bienenwabenkühler erstmals in einen Personenwagen ein: der Mercedes bringt Maybach den Titel „König der Konstrukteure“ ein.
Von Luftschiffen und Luxuswagen
Aufgrund von Intrigen kündigt Maybach seinen Posten als technischer Direktor bei Daimler und gründet 1909 mit seinem Sohn Karl die Firma Maybach-Motorenbau GmbH in Bissingen/Enz, welche die Luftschiffe des Grafen Zeppelin mit Motoren ausstattet. Nach dem ersten Weltkrieg ist es Deutschland untersagt, Luftschiff-Motoren zu bauen, und so verlegt sich Maybach auf Autos. 1929 erscheint mit dem Typ 12 Deutschlands erster Zwölf-Zylinder-Wagen. Ab 1930 wird der Maybach Zeppelin produziert: vor dem Zweiten Weltkrieg das teuerste Auto Deutschlands, wenn nicht des europäischen Festlandes. Bis heute gilt der Wagen als Legende.
Im Zweiten Weltkrieg wird das Maybach-Werk zerstört, die Produktion eingestellt. Später nimmt man den Motorenbau wieder auf, insbesondere Dieselmotoren für Lokomotiven und Schiffe finden bereitwillige Abnehmer. Doch für die neuerliche Fertigung eigener Automobile fehlen die Mittel. 1960 erwirbt die Daimler-Benz AG das Unternehmen und benennt es in Motoren und Turbinen Union Friedrichshafen (MTU) um. 2002 wird die Marke Maybach zu neuem Leben erweckt, die Fahrzeuge – individuelle Luxuslimousinen, wie früher – werden im Daimler-Werk in Sindelfingen produziert.

Zeitgerecht zum 100-jährigen Jubiläum der Marke erschien nun mit dem Maybach Zeppelin eine Neuauflage der Ikone aus den Dreißigern. Das Luxus-Gefährt kostet mindestens 480.000 Euro und ist auf 100 Exemplare limitiert. Im September begannen die Auslieferungen.
Daimler ist nicht der einzige Produzent, der in diesen Zeiten auf Luxus setzt. Schon vorher haben sich die BMW Group und VW mit der Übernahme von Rolls-Royce bzw. Bentley ihren Anteil am Luxus-Segment gesichert. Rolls-Royce präsentierte in diesem Jahr das neue Modell Ghost, Bentley stellte seinen Mulsanne vor. Die Sportwagenmanufaktur Gumpert reiste zum Genfer Autosalon mit dem Apollo Speed, der Kleinserienhersteller Alpina mit dem BMW Alpina B7 Biturbo, und der schwedische Sportwagenbauer Koenigsegg mit dem neuen CCX (Kostenpunkt ca. 1 Mio. €).
Sparen? Nein, danke!Und wie ist das werte Befinden? Gumperts Absatzzahlen schwächeln in den USA, auch die Exportzahlen von Alpina könnten besser sein – dennoch übt man sich in gepflegtem Optimismus: die Verkaufszahlen der Vorgängermodelle will man mit den neuen übertreffen – wer hätte das gedacht? Mitunter basiert der Optimismus allerdings auf anderen Umständen: aufgrund immer luxuriöserer Ausstattung steigt der Verkaufspreis des einzelnen Wagens – sodass geringfügig sinkende Verkaufszahlen letztlich nicht unbedingt ins Gewicht fallen müssen...

An der Klientel für Luxus-Limousinen wird es wohl nicht so schnell mangeln: insbesondere in Ländern wie Russland oder China nimmt die Zahl der Superreichen stetig zu. Viel eher stellt sich die Frage, ob die einzelnen Hersteller ihre Nische, ihr Alleinstellungsmerkmal finden und an den Mann bringen können. Insbesondere gilt dies für ein Auto, das von schmähenden Stimmen gerne als „aufgeblasene S-Klasse“ bezeichnet wird.
So waren denn auch Daimlers Marktprognosen für die exklusive Eigenmarke Maybach offensichtlich zu hoch angesetzt. Ständig fallende Auslieferungszahlen und ein mangelhaftes Krisenmanagement des Konzerns im Allgemeinen resultierten in schwerer Kritik der Aktionäre auf der Hauptversammlung. Dieses Jahr entscheidet also unter Umständen, ob das 100-jährige Jubiläum Maybachs Anlass für eine ausgelassene Party ist – oder mit Pauken und Trompeten den Ruin einleitet.
Artikel auf Brash.de: Rent a Maybach
www.maybach-manufaktur.comwww.maybach.de