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Motorradmänner Daniel Cizmek macht’s nicht unter 20 Unzen
von Jan Joswig am 7. Februar 2013
Manche Jeans schlagen keine Falten, sondern Wellen. Kolumnist Jan Joswig findet heute den besonderen Denim, nachdem er sich von einem speziellen Wachhund nicht abschrecken ließ. Jeans und Motorrad, das gehört in Japan auf höchstem Style-Bewusstsein zusammen. Der Denim wird auf alten Webstühlen von Dürrkopp oder Union Special aus den 40ern so widerstandsfähig wie möglich gewebt, die Chopper-Ästhetik gegen alle Widerstände so überzüchtet wie möglich zugespitzt. Mit einer Kevlar-durchsetzten Jeans von The Flat Head auf einem chromglänzenden Harley-Windhund von BB Custom Factory zum Custom-Treffen Superweekend zu zuckeln, ist Americana-Lebenskunst à la Japan in Vollendung. In Berlin hat sich der Jeansshop DC4 auf genau diese Kultur spezialisiert. Der Shop fungiert als Schaufenster und Spielwiese, verkauft wird hauptsächlich über den Online-Store, weltweit. Mit Jeans um 20 Unzen von The Flat Head, Iron Heart, Somèt, Studio d’Artisan oder Pure Blue taucht DC4 ganz tief in eine hoch fanatisierte Denimnische ein, die auf der Suche nach dem perfekten Stoff schon mal die Webstühle zerlegt. Daniel Cizmek, Mitbesitzer von DC4, erzählt: “Es gab einen Battle in Japan, je dickerer Denim gewebt wurde, desto besser. Aber die alten Webstühle gingen dabei vor die Hunde. 30 Unzen war der schwerste Denim, den wir je im Laden hatten. Die Jeans schlägt keine Falten, sondern Wellen. Die Kunst ist es, dicken Denim zu weben, der relativ weich ist. Anfang der 90er kauften die Japaner die alten Webstühle auf und fingen an, eigenen Denim zu weben. Das hat in Europa damals nicht wirklich jemand mitbekommen. Levi’s, Lee, Wrangler wurden qualitativ so scheiße, das hat die Jeans-Käufer desorientiert. Dann kamen die Franzosen von Atelier La Durance, die mit japanischem Denim und Liebe zum Detail arbeiteten. Parallel haben wir schon die japanischen Marken Pure Blue und Somèt verkauft. Aber die Leute haben es noch nicht so richtig verstanden.” Als Maskottchen steht im Schaufenster von DC4 die Custom-Harley “Bonneville Racer” von Bernhard “Herzbube” Elflein, ein ruppiger Steampunk-Brüller in brutaler Skelett-Ästhetik. Daniel und Bernhard sind Freunde, Daniel selbst fährt eine Harley Shovelhead mit Starrrahmen. Für DC4 haben sie mit Bernhard als oberkörperfreiem Bier-Biker den Image-Film “Herzbube visit DC4 Berlin” gedreht. Der krachige Sound des Bonneville Racer beeindruckt sogar über die Laptop-Boxen – aber was mich nach dem Besuch bei DC4 vor allem nicht mehr loslassen wird, ist das sperrige Knuspern von ungewaschenem Heavy-Denim.
Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier. Ähnliche Artikel Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Wer auf der Suche nach dem passenden Motorrad ist: Jan Joswig erzählt diesmal von einem…
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