|
'Motorradmänner'-Kolumne Hemi Ride: Ein kleiner Film über B-Klasse-Rocker mit Humor
von Jan Joswig am 31. Januar 2013
Das Leben ist kein Katzenvideo! Kolumnist Jan Joswig diesmal über fünf Freunde, fünf selbstgebaute Motorräder und einen Auftrag. Der Mythos fährt beim Motorrad immer mit. Und jeder Biker glaubt die Definitionsmacht gepachtet zu haben. Auf eine echte Motorradtour geht nur:
Früher hieß das Auswahlkriterium: Bart. „Jan und Hein und Klaas und Pit, die haben Bärte, die dürfen mit.“ Der Streit um „echt“ oder „Poser“ ist in den Kommentaren zum Film „Hemi Ride“ entbrannt, in dem fünf norddeutsche Bike-Bastler zur Katzenbeerdigung nach Dänemark juckeln, mit dabei Maximilian Funk. In „Hemi Ride“ bedient das Filmteam „Faust & Heisler“ die klassischen Bilder von Männern, Motorrädern, Sonnenuntergängen, erwartungskonform angestachelt von Wilde-Macker-Mucke. Cowboy, grüß’ mir den Horizont. Aber „Hemi Ride“ kann mehr und driftet in seinen 35 Minuten vom Image-Film immer wieder Richtung Buddy-Movie, in dem die Spannungen in der Gruppe wie in einem Detlev-Buck-Film mit nordischer Lakonie ausgetragen werden: „Dieses Hinterhergeknatter hinter Wohnwagen … Motorradfahren stelle ich mir doch ein bisschen anders vor.“ „Wir können uns als 3-B-Rocker auf die Schultern klopfen, dass wir überhaupt 300 Kilometer geschafft haben.“ „Prost.“ Die unterschiedlichen Eigenschaften der Protagonisten schälen sich à la „Es war einmal in Amerika“ heraus. Die sperrigsten Charaktere sind die auf Harley („Ich hasse das, wenn jeder in der Gegend rumgurkt … dieses Pussy-Scheiß-Gefahre geht mir auf den Sack.“), der mit der Vernunftmenschen-Aura („Salzwasser und Sand ist der Tod für jedes von Menschen erschaffene Produkt“) fährt eine moderne Yamaha. Dem Showdown geht eine philosophische Sequenz über das Thema Freiheit voraus: „Wenn du auf den Kontoauszug guckst und da steht null Euro, dann möchte ich deine Freiheit sehen.“ „Freiheit ist Hippie-Gequatsche aus den 60ern.“
Beim narrativen Höhepunkt, der Katzenbeerdigung, treten die Motorräder ganz zugunsten der Trauerarbeit zurück. Biker sinnieren darüber, wie sie eine emotionale Nähe zu einer Katze aufbauen – wie man danach in den Kommentaren über den einzig wahren Motorrad-Geist streiten kann, will mir nicht einleuchten. Eine wahre Geschichte über Freundschaft und Freiheit und wo beides zu finden ist: Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier. Ähnliche Artikel Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Wer auf der Suche nach dem passenden Motorrad ist: Jan Joswig erzählt diesmal von einem…
Schlagwörter
Andreas Bock
Architektur
ARD
Beetlebum
Berlin
Blu-ray
BMW
Bundesliga
DVD
EM 2012
Euro 2012
FC Bayern München
Fernsehen
Film
Frédéric Valin
Fußball
HipHop
Hollywood
Internet
Interview
Jan Joswig
Johannes Kretzschmar
Kino
Kolumne
Komödie
Konzept
Kritik
Literatur
Markus Lanz
Michael Fassbender
Motorrad
Musik
Nilz Bokelberg
Oscars
Pop
Rezension
Rock
Songwriter
Sport
Thomas Gottschalk
Thriller
Trailer
TV
Yamaha
ZDF
|