'Motorradmänner'-Kolumne
Andrea Brà von HTC liebt Frisco-Style

Mit dem Bike vor dem Restaurant Neptune’s Net in Malibu vorfahren, ist wie eine Offenbarung, lässt sich unser Kolumnist heute von fachkundiger Stelle erzählen.

Leder auf Leder: Andrea Brà von HTC

Man hat eine Profession – und eine Passion. Gesegnet ist der, der beides zusammenbringen kann. So wie Andrea Brà. Der Italiener aus Verona stellt mit seiner Firma LCB Company Lederaccessoires für große Modemarken wie Levi’s oder Marni her. Und er nutzt diese Expertise, um sich in seine Leidenschaft, die Motorradkultur, einzubringen. Mit seinem amerikanischen Partner Zip Stevenson entwirft er seit einem Jahrzehnt unter dem Logo „Hollywood Trading Company/HTC“ Jacken, Stiefel, Gürtel aus Leder und Nieten, um den Mythos der kalifornischen 70er-Jahre-Motorradwelt mit neuem Leben zu erfüllen.

Während der Berliner Modemesse Premium fläzt er sich in einer HTC-Jacke auf das Ledersofa seines Standes und schwärmt: „Mein Ziel ist: re-inventing Vintage. Die alte Ästhetik beibehalten, sie aber technisch verbessern. Unsere Jacken orientieren sich am Design der 70er. Die Custom-Szene in Kalifornien gibt die Latte vor, der Frisco-Style. Eine alte umgebaute Harley, Norton oder Triumph und unsere Jacke – das ist der Stil. Technisch gesprochen: Die Jacken schützen dich bis 100 km/h. Für Rennmaschinen sind sie nicht gedacht. Naja, wenn du nach Feierabend zum Aperitivo fährst, passt sie auch zu einer Ducati Monster …“

Prominente HTC-Fans: Iggy, Robbie, Courtney, Mick, Brad …

Als Jugendlicher in der italienischen Pampa liebte er alle Maschinen, die alt und rasant waren: Moto Guzzi, MV Agusta, Laverda. Aber irgendwann schwenkte er auf alt und bärbeißig um und blickte nach Übersee zu Harley Davidson. So wie der italienische Harley-Schrauber Roberto Rossi, der für Andrea Brà die wichtigste Lichtgestalt der Custom-Szene ist. Roberto Rossi verpasst seiner HD Cross Bones schon mal einen Sitz aus dem Leder, das auch für den Rolls Royce Phantom 1 von 1930 verwendet wurde. Oder er verpflanzt als italienischer Frankenstein den Tank einer Yamaha XT 500 auf einen Harley-Davidson-Motor wie bei seiner XT Interceptor, auf der Schauspieler Tony Ward (aus Bruce LaBruce schmutzig-durchstilisiertem Stricherdrama „Hustler White“!) für eine Wrangler-Werbung Platz nahm.

Andrea Brà hat zwar noch eine XT 500 in seinem Büro stehen, aber seitdem er Vater geworden ist, gehört die Enduro mehr zum Mobiliar, als dass er sie fahren würde. „Statt selbst zu fahren, konzentriere ich mich jetzt auf mein Custom-Projekt. Ich baue im Geiste von Roberto Rossi ein Motorrad im Frisco-Style um: Mini-Tank, von Ferne wie ein Chopper, aber sehr schmal!“ Die Tankfüllung muss gerade von LA bis zum Neptune’s Net Richtung Malibu reichen. Denn das Restaurant am Pazifik ist der absolute Place to be, wie Andrea Brà schwört: „Sonntags fahren die ganzen alten Biker dorthin. Es ist so emotional! Einmal zu Neptune’s Net, und du wirst den Motorrad-Virus nie mehr los.“

Jan Joswig_________________________
Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier.

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