'Motorradmänner'-Kolumne
„Mit meinem Fixie kam ich nur bis Malmö“

Auf Honda-Tour gen Norden: Chuckamuck-Sänger, -Gitarrist und Jungspund Lorenz erzählt Jan Joswig von Zweiradreisen mit der “Coolen Harpune” Richtung Nordkap.

Lorenz, Chuckamuck

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung und schlechte Kameras: Lorenz von Chuckamauck auf dem Weg gen Norden

Es gibt sie noch, die alten Lausbubengeschichten. Mancher träumt davon, wie Goethes Wilhelm Meister ins Blaue aufzubrechen und am Lagerfeuer lustige Lieder zu singen. Andere machen es einfach. Wie Lorenz.

Chuckamucks coole Harpune

Immer am Start: die "Coole Harpune"

Lorenz O’Tool ist gerade mal Anfang 20, aber mit seiner Motorradgang war er schon am Nordkap und in Irland. Die Gang “Coole Harpune” besteht aus ihm auf einer Honda CB 400 und Tommi Schnee auf einer 400er Suzuki. Zwei Jungs, zwei Maschinen. Wenn sie noch einen Fisch fangen, sind sie schon zu fünft.

Hintendrauf hat Lorenz neben der Angel die Gitarre geschnallt. Denn mit Musik für unwegsames Gelände kennt er sich aus. Als Sänger und Gitarrist bei der Berliner Blechdosen-Beat-Band Chuckamuck gibt er dem unbekümmerten Rotzlöffeltum das überzeugendste Grinsen seit dem Ahnen des Garagenbeats, Wild Billy Childish (Thee Milkshakes, Headcoats, Buff Medways). Wild und childish, Volltreffer.

Chuckamuck mit Gitarre und Fisch

Fast immer am Start, heute eine Erinnerung: Gitarre und Fisch

Ins Reisen per Motorrad hat sich die “Coole Harpune” ohne viel Kopfzerbrechen gestürzt, wie Lorenz bei der vierten Selbstgedrehten erzählt: “Mit 16 habe ich angefangen, mit dem Fahrrad alleine zu verreisen. Mein Ziel war immer das Nordkap. Ich kam aber nur bis Malmö mit meinem Fixie… Alle haben mich mit ihren Motorrädern, auf denen ‘Abi 2009′ stand, überholt. Ich bekam die Krise. Also habe ich mit 20 meinen Motorradführerschein gemacht und mir mit meinem Kumpel Motorräder gekauft. Ich wollte kein Plastikschiff, und bei der CB 400 war mir die Vier-in-eins-Anlage wichtig, der Sound ist gut! Dann sind wir zu zweit aufgebrochen zum Nordkap.” Und von dann an 6000 Kilometer drauflos: “Auf der Nordkap-Tour waren wir noch sehr wacklig unterwegs, wenn man ehrlich ist. Wir hatten den Führerschein erst ein Vierteljahr und sind völlig unvorbereitet losgefahren. Morgens aufgewacht – naja, um drei Uhr nachmittags –, dann sind wir von 16 bis 20 Uhr gefahren, ohne gegessen zu haben.”

2013 gehen Chuckamuck in die nächste Offensive, aber zum Ausgleich wird Lorenz mit Tommi nach Albanien fahren – allerdings ohne die Kindergitarre, die schon nach der letzten Tour in den Graben geflogen war. Wild und childish zwischen Chuckamuck und Coole Harpune – und ich dachte, von solch einem Leben träumen nur noch 40-jährige Familienväter am Kaminfeuer.

Jan Joswig_________________________

Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier.

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  • http://www.facebook.com/robert.rottmann.3 Robert Rottmann

    Yo-coole Typen die Jungs. Hab sie auf der Fu00e4hre von Irland nach Frankreich kennengelernt. Immer weiter, so lange es geht.nAuserdem, 40-ju00e4hrige Familienvu00e4ter tru00e4umen nicht davon, die tuns noch. nnAuch wenns statt einer Honda CB 400, eine F650GS Dakar mit Griffheizung und Hu00e4moridenkissen ist ;)nGru00fcu00dfe aus der Rhu00f6n: RR.

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