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'Motorradmänner'-Kolumne Cäthes Kawasaki
von Jan Joswig am 15. November 2012
Sieht ganz schön alt aus: Cäthe Pflägings Kawasaki W 650, nicht Cäthe selbst. Und Jan Joswig muss es wissen, Jan hat nämlich beide getroffen. Retro heißt nicht, sklavisch die Vergangenheit zu rekonstruieren. Man nimmt das Beste und ignoriert den miesen Rest. Von den 50ern greift man die Musik auf, Rhythm & Blues und Rock’n'Roll, aber das spießige Rollenmodell bleibt in der Mottenkiste. Man baut das Look & Feel der 60er-Motorräder nach, aber mit der überalterten Technik quält man sich nicht ab. Cäthe Pfläging lässt sich gerne bei Downtown Records in Berlin-Mitte in Sachen Rhythm & Blues beraten. Aber ihr Freund müsste lange darauf warten, dass ihm auf Befehl das Essen serviert wird wie Horst Buchholz in “Die Halbstarken”. Die Berliner Rock’n'Roller lassen sie eh kalt: “In Berlin heißt Rock’n'Roll Piercings in die Fresse, Ohrläppchen erweitern, Tattoos all over. In London sieht das anders aus, da trifft man beim Line Dance auf schwarzglänzende Haare und brennende Elvisaugen.” Beim Motorrad hat Cäthe sich für ein Retro-Modell entschieden, das sich in der historischen Mimikry sehr weit raushängt. Ihre Kawasaki W 650 hat Kickstarter, Vergaser und Königswelle, wird aber erst seit 1999 gebaut. Das birgt ungeahnte Vorteile: “Keiner sieht der W an, wie jung sie eigentlich ist. Ich komme bei jedem Oldtimer-Treffen umsonst rein.” Als sie nach dem Studium nach Berlin zog, fing sie Feuer für die Szene rund um’s Roadrunner’s Paradise. Mit ihrer Grafik-Agentur Amt für Gestaltung hat sie jahrelang deren Website betreut. Aber als Grafikerin lässt sie sich nicht auf die Retro-Ästhetik festnageln: “Wenn ein paar Vintage-Grafiken im Portfolio auftauchen, dann liegt das am Kundenwunsch. Ich verstehe mich nicht als Vintage-Illustratorin.” Wenn die Jungs mit ihrem Nerd-Talk loslegen, taucht Cäthe ab: “‘Ich habe den Vergaser so und so eingestellt, blabla …’ Das brauche ich nicht. Ich kann auch so sagen, was mir gefällt und nicht gefällt. Die Artikel mit Schräubchen hier, Schräubchen da nerven an den typischen Motorradmagazinen, der Mo oder der Bikers News. Ich wollte immer gerne ein Motorradmagazin für Frauen konzipieren. Ich habe beim Fahrverein Sister Act eine Umfrage unter Frauen gemacht. Das war allerdings ernüchternd: Keine konnte sich was Neues zum Thema Motorradmagazin vorstellen.” Frauen schmirgeln eben lieber durch die Kurven statt in Zeitschriften zu schmökern. Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier. Ähnliche Artikel Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Wer auf der Suche nach dem passenden Motorrad ist: Jan Joswig erzählt diesmal von einem…
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