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'Motorradmänner'-Kolumne Naked Bike und nackte Haut
von Jan Joswig am 1. November 2012
Frauen in High Heels und Motorräder, beides spricht ihn auf einer Begehrlichkeitsebene an. Nein, nicht Jan Joswig, sondern den Fotografen Dejan Vic. Als Fotograf durchstreift Dejan Vic die Großstadt-Straßen auf der Suche danach, was die Menschen glücklich macht. Dabei überfiel es ihn selbst. Ende der Neunziger kam er in Paris die Rue Etienne Marcel runter, der Himmel riss auf, die Sonne schien auf eine orange-farbene Buell, Dejan war vom Blitz getroffen. “Ich hatte noch nie etwas von Buell gehört, wusste aber sofort: Das ist dein Motorrad!”, schwärmt er von Erik Buells Erfindung, der 1993 einen klassischen Harley-Motor in ein radikal modernes Rennfahrwerk montierte. Dejans Buell S1 von 1998 mit Gitterrohrgestell in Nuclear-Blue verkörpert die Buell-Philosophie am nacktesten. “Die visuelle Sprache der S1 war sehr neu, die Formgebung sehr radikal, technisch basiert sie aber auf alter luftgekühlter Vergasertechnik, das finde ich supergeil”, begeistert er sich für die Schizophrenie einer Buell, “zu viel Technik tötet die Emotionalität. Mein Leben ist aufgebaut auf Unsicherheit. Die Formensprache der Buell entspricht dieser Unsicherheit.” Alte Motorräder guckt er sich gerne an, vermisst aber beim Fahren etwas: “Träge, schwer, nicht zackig genug. Eine Buell zu fahren ist etwas anderes als ein altes 250-Kilogramm-Stahlross mit 60 PS. Ich mag auch die Custom-Bikes von Confederate und Roland Sands, weil die genauso alte Elemente mit super Neuem kombinieren.”
Bei einer ehrlichen Selbstbefragung stellte Dejan fest, wovon er gefesselt wird: “Was in den Straßen die ganze Zeit meine Aufmerksamkeit zieht, sind Frauen in Highheels und Motorräder. Beide sprechen mich auf einer emotional sinnlichen Begehrlichkeits-Ebene an, die mein ganzes System erfasst.” Also gründet der Fotograf in Anlehnung an Richard Prince den Blog Chicks & Bikes. Er selbst hält sich keineswegs außen vor beim Spiel von nackter Haut und naked Bikes. Getreu dem Motto “An meine Haut lasse ich nur Wasser und Vanson” zeigt er im Video, wie Mann und Gemächt anständig in einem Einteiler der legendären amerikanischen Firma für Motorradlederbekleidung verpackt werden. Gut gebrüllt, Dejan! Video: An meine Haut lasse ich nur Wasser und Vanson (Regie: Dejan Vic) Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier. Ähnliche Artikel Als Juror der Castingshow „Got To Dance” beurteilt… Eine Shoppingtour unseres Motorradmanns Jan Joswig endete mit einer unerwarteten Entdeckung: Im… Jan Joswig nimmt in seiner Kolumne den ehemaligen italienischen Motorradhersteller Laverda ins… Die Bilder von Gerd Marschand lassen den Hamburger Kiez der 60er, 70er und 80er Jahre… Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Wer auf der Suche nach dem passenden Motorrad ist: Jan Joswig erzählt diesmal von einem…
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