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'Motorradmänner'-Kolumne Madame tritt an: 1, 2, Wrumm!
von Jan Joswig am 11. Oktober 2012
Keine Regel ohne Ausnahmen: In seiner Kolumne ‘Motorradmänner’ stellt Jan Joswig heute Maike Dietrich vor – Motorradfrau vom Fach und, ja, Betreiberin eines Stricklabels. Maike Dietrich ist als Bikerin stilvoll pragmatisch. Welche Jeans Steve McQueen auf seiner Husqvarna trug, interessiert sie einen feuchten Dreck. Eine Yamaha XT 500 hat für sie einen viel zu abgesicherten Klassikerstatus. Das ist was für Jungs, die erst nachlesen müssen, was sie cool finden dürfen. Maike fährt eine Yamaha XT 600, gibt vor den Querschwellen in 30-Zonen Gas und belädt ihren schmutzigweißen Packesel mit den Wollpaketen, die sie für ihr Stricklabel Maiami von der Post holt. Stricken und Motorradfahren steht für sie in keinem Widerspruch: “Dass Stricken etwas Liebes, Nettes wäre, ist ein sehr unmoderner Blick darauf”, sagt sie. Die schwedische Motocross-Firma Husqvarna etwa produzierte erst Nähmaschinen, dann Motorräder. Den Führerschein machte Maike Dietrich während des Studiums Mitte der Neunziger, zum Teil in St. Peter Ording, dem Daytona Beach Deutschlands, zum Teil im Harz. “In St. Peter Ording waren alle zum Strandsegeln da. Ich fragte meinen Freund: ‘Kann ich nicht stattdessen mit deinem Motorrad am Strand rumfahren?’”, sagt sie und erinnert sich. “‘Wie geil ist das denn’, dachte ich. So hat das angefangen. In Berlin habe ich mir eine XT 250 gekauft. Eine kleine Enduro sollte es sein. Ich bin nicht so der Touren-Mensch, sondern der Stadftfahrer. Schnell wegkommen, wendig sein, vor der Tür parken. Im Schwarzwald fand ich das Kurvenfahren total öde.” Total öde fände sie es auch, ihr Moped zu putzen oder es gar beim Parken extra zu sichern. “Die XT 250 wurde mir dreimal geklaut. Das erste Mal im Prenzlauer Berg. Nach drei Wochen sehe ich sie ums Eck stehen mit aufgebrochenem Lenkradschloss. Ich habe sie sofort nach Hause geschoben. Die Polizei hat mich angemacht, dass ich sie nicht zum Tatort gerufen hätte. Das zweite Mal auch im Prenzlauer Berg, und wieder habe ich sie ein paar Straßen weiter gefunden. Als sie zum TÜV musste, habe ich sie einem Freund zum Checken mitgegeben. Dem ist sie dann endgültig gestohlen worden.” Daraufhin hat Maike Dietrich die XT 500 übersprungen und sich ihre XT 600 gekauft: “Die 500er ist vielleicht kultiger, aber das Plastikmäßige der 600er ist doch mittlerweile 80s-cool! Ich will keine andere.” Ein Faible für alles Technische begleitet Maike Dietrich seit Kindeszeiten, als sie dem Großvater in seiner Werkstatt beim Elektro- und Autobasteln zusah. Das Faible wird aber von ihrem Stricklabel aufgezehrt. “Ich würde das Moped gerne reparieren können, aber mit einem Fingerschnips, ohne es lernen zu müssen”, sagt sie. “Und lernen muss ich schon bei Maiami. Wenn ich von Handstrick auf Maschinenstrick erweitere, kommt eine ganz neue Wissenschaft dazu.” Als weibliche Exotin empfindet sich Maike auf ihrem Motorrad übrigens nicht. Warum auch? BMW hatte schließlich schon Ende der Achtziger im Bordbuch zur R80GS die Richtung vorgegeben: Frauen an den Lenker! Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier. Ähnliche Artikel Wer auf der Suche nach dem passenden Motorrad ist: Jan Joswig erzählt diesmal von einem… Marcel Proust konstatierte melancholisch, dass Träume in Enttäuschung münden, sobald man sie…
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