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'Motorradmänner'-Kolumne Edi Winter auf dem World Championship Bike 1/5
von Jan Joswig am 5. September 2012
Wer bei RC Bikes an Kinderspielzeug denkt, fliegt garantiert bei der ersten Kurve raus, weiß unser Kolumnist, der heute über Motorradmänner mit kleinen Rennflitzern schreibt. 70 Grad Schräglage in Kurven. Das wird in keiner anderen Motorrad-Liga erreicht. Und auch das Verhältnis zwischen Elektro- und Verbrennungsmotoren ist vorbildlich (fragt man unromantische Ökos). Verbrenner bilden die (spektakuläre) Ausnahme. Knattern statt Surren, Fehlzündungen, Rauchfahnen! Der ganze Budenzauber eines bockigen Benziners, brumm, brumm, nur noch eine Disziplin von dreien (aber ich will mich nicht zu Lobpreisungen eines überholten Brennstoffes versteigen …). Was hier wie Hornissen im hektischen Bodenflug durch die Kurven mäht, sind ferngesteuerte Rennmaschinen im Maßstab 1:5. RC steht für Remote Control/Fernsteuerung. Seit Mitte der 2000er erlebt der RC-Bike-Rennsport eine Renaissance. Eine neue Generation an Bastlern wie Einar Lang von Einitech oder Edi Winter von Jabber geht mit Hi-Tech und Spucke an den Start. Das Eini Bike 4 „Odin“ hat eine hydraulische Bremse und verwendet Rapidprototyping-Elemente. Das Konstruieren der Bikes ist genauso wichtig wie das Fahren. Aber Firmen wie Einitech oder Thundertiger bieten auch Fertigmodelle für Fernsteuerenthusiasten ohne Technikverstand an. Die „World Championship Bike 1/5“wurde Ende August 2012 im italienischen Riccione ausgetragen. Die Nerds in Shorts starten (wie die Athleten in Leder auf ihren großen Maschinen) in drei Klassen: Nitro für Verbrenner, Stock für technisch streng vereinheitlichte Maschinen, Superbike als Königsklasse, in der man drauflos frisiert, was die technische Eingebung hergibt. Mit bis zu 90 Sachen geht es über die circa 300 Meter lange Strecke. Edi Winter, der Weltmeister in der Superbike-Klasse 2011, erklärt die Anforderung: „Zu viel machen beim Fahren ist hinderlich.“ Gas geben kann jeder, aber genau das richtige Quantum an Gas vor den Kurven rauszunehmen, darin liegt das Können. Neben der enormen Schräglage weist er auf einen weiteren Vorzug hin: Legt sich die Maschine auf den Asphalt, kann man sie so lange um sich selbst rotieren lassen, bis die Fliehkraft sie wieder aufrichtet. Aufkreiseln heißt das im Fachjargon. Davon können die Athleten in Leder nicht einmal träumen.
PS: Die Edi-Story steuerte diese WM leider durch das Tal einer Anti-Klimax. Trotz Starts in der Poleposition landete Edi Winter nur auf Platz 10 (Weltmeister in der Superbike-Klasse wurde der Spanier Mario Lopez). Aber ein Konstrukteur kennt keine Rückschläge, sondern nur Herausforderungen: Jabber, Jabber, Hey!
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