'Motorradmänner'-Kolumne
Dirk Rumpff, Karl Lagerfeld und die BMW R 51/3

Sechs Fäuste für eine BMW R 51/3: Jan Joswig über das Anti-Customize-Trio Dirk Rumpff, Werner Tauselt und Karl Lagerfeld.

Ein Prachtstück aus dem Jahre 1951, das auch bloß nie anders als damals sein soll: Dirk Rumpffs BMW R 51/3

Dirk Rumpff, Boxerdoktor Werner Tauselt, Karl Lagerfeld – so formiert sich das Anti-Customize-Trio. Rumgeschraubt wird nur, um den Originalzustand zu erhalten.

Dirk Rumpff wollte nach der Schule entweder Chirurg oder KFZ-Mechaniker werden. Hauptsache, in Eingeweiden wühlen. Menschen und Maschinen sind ihm gleichermaßen verehrungswürdige Wunderwerke. Er ist Anästhesist geworden und fährt eine originalgetreue BMW von 1951, die R 51/3 mit Fischschwanzauspuffenden. Werner Tauselt repariert sie. Karl Lagerfeld lichtet sie ab.

Einer dieser Originalitätsfreaks: Dirk Rumpff auf seiner guten alten BMW R 51/3

Dirk Rumpff ist einer der Originalitätsfreaks, über die Peter von der Customize-Werkstatt Urban Motor stöhnt: “Es gibt die Leidenschaft für solche Klassiker, das wird bis zum Exzess der Originalität getrieben, bis die letzte Feder im Vergaser aus dem ursprünglichen Baujahr stammt. Die Sammler, die Originalheimer, prüfen jede Nummer gegen.” Dirk bestätigt das von der Gegenseite: “Die Customize-Szene sagt mir gar nichts. Das ist fast ein Glaubenskrieg. An meiner BMW ist alles original bis auf den Lichtschalter, der stammt vom Nachfolgemodell. In der Stadt geht an der Ampel das Licht aus, weil die Batterie zu schwach ist – wie bei einem Fahrrad mit Dynamo. Um zu erkennen, wie viel Sprit noch im Tank ist, leuchte ich mit meinem Handy in die Öffnung.” Der Einzige, der in Berlin seinen Oldtimer verarzten darf, ist der Boxerdoktor Werner Tauselt: “Er geht schon recht krumm, ist Kettenraucher. Er hat mich angeleitet, die Kupplung zu wechseln. Hinterher musste er alles noch mal selber machen, weil ich zwei Federn vergessen hatte.”

Allerdings ist Dirk kein 50s-Fanatiker oder militanter Nostalgiker, sein Sinn für schöne Dinge wurde von seinem Stil-Mentor Theo Thönnessen von der Münchner Acid-Jazz-Urzelle “Into Somethin”" geschult, die 60s-Soul und Drum and Bass am DJ-Deck zusammendenken konnte. Dirk selbst veranstaltet neben seinem Anästhesisten-Job die Reihe CDR für Nachwuchs-Produzenten elektronischer Musik, damit die endlich mal erleben können, wie Clubgänger zu ihren Schlafzimmerproduktionen abgehen.

Angesichts seiner BMW gesteht er: “Ein bisschen was von einem Antikmöbel hat es schon. Ich würde mich aber nie für neue Maschinen interessieren. Neu fängt an ab 1970. Die BMW ist als Objekt wahnsinnig schön.”

Aus der Karl-Marx- wurde die Karl-Lagerfeld-Allee: Der Modezar beim Vogue-Shooting vor der Maschine von Dirk Rumpff

Karl Lagerfeld sieht das genauso. Als er die Sonderausgabe zum 30-jährigen Jubiläum der Vogue Deutschland gestaltete, mietete er Dirks Motorrad, um es auf der Karl-Marx-Allee zu fotografieren. Lagerfeld tickte so originalheimerisch, dass nicht einmal der Staub vom Lack gewischt werden durfte. Nur bei der Fahrerposition legte er nicht so viel Wert auf Originaltreue, sagt Dirk: “Lagerfelds Model-Freund hat sich schwer dynamisch mit dem Unterarm auf den Lenker gestützt. Dass niemand so fahren würde, hat nicht interessiert.”

Jan Joswig_________________________

Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier.

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