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'Motorradmänner'-Kolumne Der David Beckham Berlins
von Jan Joswig am 9. August 2012
Metrosexuelle Motorradfahrer: Jan Joswig über Prince, Jan Mihm und dessen Vision, Motorrad und Nagellack zu verbinden. Kein Feld ist in der Gender-Debatte so hintenran wie die Motorradkultur. Selbst der Fußball, wo ein schwuler Spieler immer noch als paradox gilt, hat sich modisch emanzipiert. Ein Fußballer kann wie ein Pfau rumlaufen, ohne sich verdächtig zu machen, dem metrosexuellen Vorzeigekerl David Beckham sei Dank, und meinetwegen auch Jogi Löw in seinem taillierten Strenesse-Hemd. Aber Mode zum Motorrad heißt immer noch: rustikale Vollpfosten in derbem Leder und derbem Denim, die letzte Bastion konservativen Mackertums.
Der Mitbegründer der Kosmetikfirma Uslu Airlines, offensivster Botschafter des Nagellacks für den Mann, ist der David Beckham Berlins. Er haut dir seine manikürte Pranke kumpelhaft auf die Schulter. “Nagellack ist für Anzugträger und Hooligans da. Das macht für mich keinen Unterschied. Farben kommunizieren eine Menge. Du kannst deine Nägel in den Farben deines Fußballvereins lackieren”, posaunt er wie d’Artagnon auf seiner MZ sitzend heraus. Mehr modischer Wagemut in der Zweiradkultur![]() Nagellack auf den Fingern, die Hand an einem anderen Schmuckstück: Jan Mihm auf seiner 1999er MZ Mastiff Mihms 1999er MZ Mastiff stammt aus der kurzen Epoche, als die Zschopauer Motorenwerke unter malaysischer Flagge segelten. In der Supermoto, die aus Fertigteilen der verschiedensten Hersteller zusammengestöpselt wurde – nur der Rahmen stammte von MZ selbst – bündeln sich alle Vorgängermotorräder von Jan Mihm, der schon zu Teenagerzeiten auf einem Sparta-Mofa saß: “Die MZ ist so peinlich wie eine Sparta, von der Farbenfreude und Enduro-Anmutung gleicht sie der Honda MTX80, die ich mit 16 fuhr, und die Doppelscheinwerfer teilt sie mit der Triumph Speed Triple, mit der ich im zweiten Gang auf dem Ku’damm voll in Rückenlage gegangen bin.” Motorrad und Nagellack verbinden, dahin geht seine Vision. Nagellack auf den Händen wäre bei Motorradfahrern allerdings verschenkt, wegen der Handschuhe. Deshalb muss das Fahrzeug selbst von der beschränkten Mackerästhetik befreit werden. Jan Joswig (*1967) lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode und Motoren. Der studierte Kunstgeschichtler ist Stilkolumnist beim Musikexpress, arbeitet für diverse Magazine wie Intersection, Zitty, Zoo Magazine – und ist bekennender Motorrad-Fan. Warum, erzählt er regelmäßig hier. Ähnliche Artikel Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Wer auf der Suche nach dem passenden Motorrad ist: Jan Joswig erzählt diesmal von einem…
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